Gruppenfoto von den Akteueren

Aufklärung und Schutz für Saisonbeschäftigte: Einsatz auf den Feldern in Münsterland

Im Rahmen einer gemeinsamen Aktion  mit „Arbeit und Leben NRW“, „Faire Mobilität Dortmund“ und der Gewerkschaft IG BAU haben wir von der cuba Beratungsstelle Arbeit in Münster in der letzten Aprilwoche mehrere Felder besucht, um Saisonarbeiter*innen über ihre Arbeitsrechte zu informieren und Sonnenschutzmittel zu verteilen. Ziel war es, den oft prekären Arbeitsbedingungen etwas entgegenzusetzen und gleichzeitig über Rechte wie Mindestlohn, Arbeitszeiten und Unterbringung aufzuklären.

Auf einem Spargelfeld trafen wir auf 17 Männer aus Rumänien. Die Verständigung war schwierig, da niemand freisprechen konnte – offenbar aus Angst oder unter Beobachtung. Die Arbeiter berichteten von Arbeitszeiten zwischen acht und neun Stunden täglich. Der Vorarbeiter forderte uns energisch auf, das Gelände sofort zu verlassen, und drohte mit der Polizei. Der Chef erschien nach kurzer Zeit und lehnte die Übergabe von Taschen mit Sonnenschutzmitteln ab. Die Begegnung zeigte deutlich, wie wenig Raum für Aufklärung in manchen Betrieben besteht.

An einem weiteren Standort arbeiteten etwa 30 Männer aus Rumänien und der Ukraine unter großer Hitze. Auch hier war keine freie Kommunikation möglich, da der Vorarbeiter stets anwesend war. Die Männer berichteten, dass sie erst am Ende der Saison ihren Lohn erhalten würden. Für ihre Unterkunft – einfache Container ohne Klimaanlage oder Verpflegung – zahlen sie neun bis zehn Euro pro Tag. Drei bis vier Personen teilen sich einen Container. Die tägliche Arbeitszeit beträgt neun bis zehn Stunden, meist ab 7 Uhr morgens bis in den Abend, je nach Bedarf auf dem Feld.

Auf einem weiteren Feld, auf dem Erdbeersetzlinge bearbeitet wurden, trafen wir auf 15 Frauen aus Rumänien, Polen und der Ukraine. Die Stimmung war freundlich, ein Austausch war möglich. Die Frauen berichteten von neun Stunden Arbeit täglich, der Lohn werde teils stündlich, teils im Akkord gezahlt. Kritik gab es daran, dass sie selbst an Feiertagen wie Ostern oder dem 1. Mai arbeiten mussten – ohne freien Tag. Unsere Infotaschen mit Sonnenschutz und Informationsmaterial wurden dankbar angenommen.

Insgesamt konnten wir bis 110 Saisonarbeitskräfte erreichen. Es wurde Gespräche in mehreren Sprachen geführt, darunter Rumänisch, Polnisch, Ukrainisch und Ungarisch.

Diese Besuche zeigen eindrücklich, unter welchen Bedingungen viele Saisonbeschäftigte in der Landwirtschaft arbeiten – häufig isoliert, teilweise unterbezahlt und unzureichend geschützt. Gleichzeitig wird klar, wie wichtig persönliche Ansprache, muttersprachliche Information und solidarische Unterstützung sind. Mit der Verteilung von Sonnenschutzmitteln wollten wir nicht nur aufklären, sondern auch ganz praktisch helfen.